Stellungnahme zur Bewerbung der „Thementage: Teilhabe“ des Staatstheater Braunschweig auf Facebook, sowie des Artikels „Die Zeit ist reif“ von Andreas Berger in der Braunschweiger Zeitung

Wir der Verein Amo – Braunschweig Postkolonial möchten zur vergangenen Veranstaltung „Thementage: Teilhabe“ des Staatstheater Braunschweigs, dem Umgang mit den veranstaltungsbezogenen Kommentaren auf Facebook, sowie dem auf die Veranstaltung folgenden Artikel in der Braunschweiger Zeitung, Stellung beziehen.

Unter der auf Facebook beworbenen Veranstaltung der Thementage: Teilhabe am 24.4 von 14.00 -16.00 Uhr, mit Alice Hasters, waren zum Teil stark verleumdende, rassistische und antisemitische Kommentare zu lesen. Während einige Privatpersonen versucht haben, dem etwas entgegen zu setzen, hat es das Staatstheater Braunschweig versäumt, ausreichend Haltung zu beziehen und sowohl Alice Hasters, als auch andere von Rassismus und Antisemitismus betroffene Menschen zu schützen. Die ledigliche Betonung seitens des Staatstheaters sich auf die anstehende Veranstaltung zu freuen und froh über die Teilnahme Alice Hasters zu sein, ist bei weitem nicht ausreichend gewesen.

Als Kooperationspartner des Staatstheater Braunschweigs erwarten wir von diesem eine klare Haltung gegen jegliche Form von Rassismus, Antisemitismus und anderen Diskriminierungsformen. Gleichzeitig erschien zwei Tage nach der Veranstaltung der Artikel „Die Zeit ist reif“ von Andreas Berger im Kultur & Leben-Teil der Braunschweiger Zeitung, welcher in verschiedenen Punkten problematisch ist. Es werden dort Situationen geschildert, die so, zu dem Zeitpunkt der Veranstaltung „Teilhabe“, nicht stattgefunden haben:In der Kleingruppe „Wie reagiere ich auf Polemik“ wurde nicht über „Sprachregelungen gesprochen, die verunsichern“, noch genauer wurde nicht darüber geredet „ob man Schwarze, People of Color oder F****** sagt“ (in diesem Artikel wurde dieser kolonial rassistische Begriff ausgeschrieben!). Stattdessen hat sich die Gruppe den Kommentaren auf Facebook zugewandt.

Auch hier ist es nochmal wichtig zu betonen, dass in dieser Kleingruppe kaum Leitungspositionen vertreten waren. Viele Aussagen in diesem Artikel beinhalten einen respektlosen Schreibstil vonseiten des Autors, so „dass Wesemüller (Leiter des Jungen Staatstheaters) als weißer heterosexueller Mann schon fast der Exot“ sei, zieht völlig an der Thematik und an den jeweiligen Beiträgen der Referent*innen vorbei und relativiert/belächelt das eigentliche strukturelle Problem an deutschen Theaterbühnen. Während der Einstieg mit dem Verweis darauf, wie sehr die Geschichte von Jim Knopf und Lukas dem Lokomotivführer als Abenteuer in Sachen Völkerfreundschaft, sofort irritiert, beschreibt der Autor das Leitungsteam rund um die Generalintendatin Dagmar Schlingmann, als „auf vielfältige Weise divers“ ohne jegliche Beispiele für diese Behauptung zu nennen. Diese Aussage ist vorallem für einige Mitarbeitende des Hauses irritierend gewesen, da das Leitungsteam, nach eigenen Eindrücken, „auf vielfältige Weise“ nicht divers ist.Der Begriff Ethnie, der zu keinem Zeitpunkt der Veranstaltung verwendet wurde, verweist auf eine mangelnde Expertise in der Berichterstattung aus diesem Panel. Da die Referent*innen explizt den Begriff Rassifizierung eingeführt und erklärt haben, um entsprechende Konzepte von „Ethnie“ nicht ins Feld zu führen.

Bezüglich der Reflexion von Céline Bartholomaeus werden im Artikel gleich mehrere Sachen falsch wiedergegeben: Céline Bartholomaeus beschreibt sich selbst nicht als, wie im Artikel beschrieben, Person mit „türkisch-persischen Wurzeln“, noch hat sie das „Amo Zentrum“ in Braunschweig mitbegründet, sondern ist Gründungsmitglied des Vereins Amo – Braunschweig Postkolonial, welcher den Kunstverein (kurzzeitig Amo Center) im Rahmen der Ausstellung, beraten hatte.

Mentor*innenschaft beim SCHREDDER!

Wir haben es schon mehrfach angedeutet – hier nochmal offiziell: Wir sind Mentor*innen beim diesjährigen SCHREDDER- Festival! Der SCHREDDER ist die Spielreihe für Nachwuchstheatermacher*innen am Theaterhaus Hildesheim e.V. Bereits zum 12. Mal konnten sich verschiedene Gruppen mit ihren Konzepten und Ideen bewerben. Auch dieses Jahr haben es tolle Theaterschaffende durch das Auswahlverfahren, am Pitch-Wochenende, geschafft. In den letzten Wochen durften wir demnach drei von vier Gruppen in ihren Prozessen begleiten und dabei selbst einiges lernen. Unsere Team von Amo – Braunschweig Postkolonial e.V. hat sich dafür aufgeteilt, um möglichst viele Gruppen zu betreuen. Nach individueller Kompetenz unseres Teams konnten wir aus der Sicht von Konsument*innen, in der Rolle als Expert*innen mit dem Schwerpunkt Antirassismus, bis hin zu einer ästhetischen und künstlerischen Perspektive verschiedene Positionen einnehmen und die jeweiligen Teams unterstützen. In den letzten Wochen könnten wir begeistert die Testläufe mitverfolgen.Das Online SCHREDDER-Festival wird vom 23.04.2021 bis zum 30.04.2021 stattfinden. Um die Arbeit des Theaternachwuchsformat zu unterstützen werden Spenden gerne gesehen. Weitere Infos findet ihr auf den Kanälen vom SCHREDDER!

Der 19.02.2021- Ein Jahr nach Hanau

Am 19.02.2021 waren wir anlässlich des Jahrestag des rassistischen Anschlags in Hanau bei der Gedenkveranstaltung in Hannover.

Mit rund 740 anderen Menschen nahmen wir an beiden Kundgebungen und an der Demonstration teil. Um 16.30 Uhr begann die erste Kundgebung auf dem Halim-Dener-Platz (Bitte informiert euch über die Streitigkeiten um die Benennung des Platzes). Von Linden ging es richtig Hauptbahnhof. Am Steintor (s.o) fand die Abschlusskundgebung statt. Neben vielen Reden und Musik konnten wir Worte der Angehörigen der Ermordeten hören.
Besonders rührend war der Moment, in dem die Namen der Verstorbenen mit einem „lebt weiter“ vom Demonstrationschor empfangen wurden.

Ferhat Unvar
Hamza Kurtović
Said Nesar Hashemi
Vili Viorel Păun
Mercedes Kierpacz
Kaloyan Velkov
Fatih Saraçoğlu
Sedat Gürbüz und
Gökhan Gültekin
leben weiter!

#saytheirnames

#keinvergebenkeinvergessen

Reaktion auf die Pressemitteilung „Rückblick: Rassistische Sprache im Kulturbereich“ von der Gesellschaft für deutsche Sprache e.V.

22. Dezember 2020

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Schrecken haben wir Ihre Pressemitteilung „Rückblick: Rassistische Sprache im Kulturbereich“ gelesen (https://gfds.de/rueckblick-rassismuskritische-sprache-im-kulturbereich/). Darin erwähnen Sie, dass mit unserem Verein ein Workshop durchgeführt wurde, gleichzeitig verwenden Sie verwenden Sie in der Pressemitteilung kolonialie und verletzende Sprache sowie unreflektierte Formulierungen. Es ist uns ein Rätsel, wie diese verletzenden Worte nach einem Workshop mit uns in einer Pressemitteilung verwendet werden können.

Die Pressemitteilung wurde nicht mit uns kommuniziert. Unsere Sicht auf den Workshop stimmt nicht mit der Darstellung des Workshops in ihrer Pressemitteilung überein. Wir bitten Sie eindringlich in der nächsten Woche die Pressemitteilung von ihrer Homepage nehmen.

Wir können nicht dulden, dass Sie mit unserem Namen Werbung für ihre Institution und ihre rassismuskritische Auseinandersetzung machen, dabei elementare Standpunkte der im Workshop besprochenen Themen ignorieren und eine Pressemitteilung ohne unsere Zustimmung zu veröffentlichen.

Wir reagieren spät auf die Pressemitteilung, weil uns nicht mitgeteilt wurde, dass es eine Pressemitteilung zu unserer Veranstaltung gab und wir erst jetzt zufällig darauf gestoßen sind.

Mit freundlichen Grüßen,

Amo – Braunschweig Postkolonial e.V.

Pressemitteilung: Auftaktveranstaltung Postkolonialer Stadtrundgang

Pressemitteilung zur Auftaktveranstaltung des Postkolonialen Standrundgangs in Braunschweig

Amo – Braunschweig Postkolonial e. V. hat am 12.11.2020 seinen neu konzipierten Postkolonialen Stadtrundgang vorgestellt. Aufgrund der Infektionslage der Covid-19-Pandemie und der damit einhergehenden Kontaktbeschränkungen fand die Premiere als Online-Veranstaltung statt. Es wurden einige Stationen des Rundgangs beispielhaft besprochen. Damit reiht sich unser Verein in die Tradition von postkolonialen Stadtrundgängen antikolonialer Initiativen ein.

Obwohl in diesem Jahr das Thema Kolonialismus durch die Black Lives Matter Bewegung eine weitere Reichweite erfuhr und insbesondere das Kolonialdenkmal in Braunschweig häufiger in der Öffentlichkeit besprochen wurde, ist im Allgemeinen wenig über die Spuren des Kolonialismus in Braunschweig bekannt. So wurde ein Ort vorgestellt, an dem „Völkerschauen“ stattfanden, Privatpersonen, die sich auf Kosten der kolonialisierten Bevölkerung bereicherten sowie das Schloss, welches als symbolhafter Ort für die wechselhafte Geschichte zwischen Abhängigkeit, rassistischer Tradition und der verkannten wissenschaftlichen Biographie Anton Wilhelm Amos steht. Das digitale Format erschwerte zwar das Einfühlen in die tatsächliche Existenz dieser Orte in Braunschweig, ermöglichte aber die Einsicht in Originaldokumente, die während der Vorbereitung recherchiert wurden.

Wir wollen mit diesem Stadtrundgang zeigen, dass die kolonial manifestierten Machtstrukturen bis heute fortwirken. Durch das Nicht-Wissen über diese Orte und deren Funktionen sowie das offensichtliche öffentliche Desinteresse an der Aufklärung darüber kann gesehen werden, dass gesellschaftliche Strukturen immer noch kolonial geprägt sind. Es stellt sich die Frage, wie mit dieser historischen Verantwortung umgegangen werden soll.

Die Veranstaltung wurde von dem Projekt Weltwechsel unterstützt. In Planung sind verschiedene Versionen des Stadtrundgangs und ein Audiowalk.

Premiere unseres Postkolonialen Stadtrundgangs in Braunschweig

Liebe Freund*innen, Kolleg*innen und Sympathisant*innen,

am 12. November 2020 laden wir euch von 17 Uhr bis 19 Uhr zu einer ausschnitthaften Präsentation unseres Postkolonialen Stadtrundgangs ein.

Auch wir reagieren auf die aktuelle Infektionslage der Covid-19-Pandemie und verlagern die geplante Einführungsveranstaltung ins Digitale.

Zusammen wollen wir historische Fakten wieder zugänglich bzw. sichtbar machen und die Möglichkeitgeben, in eine Auseinandersetzung mit der Geschichte und ihrer bis heute anhaltenden Folgen fürKolonialisierte und Hierarchien zu gehen. Dabei wollen wir versuchen die Tragweite begreifbar zu machen,die für Kolonialisierte während dieser Epoche entstand und durch manifestierte Machtstrukturen auchheute noch besteht. Obwohl Braunschweig zwar bei weitem nicht im Zentrum des kolonialen Geschehensstand, sollen die ausgewählten Orte Ausgangspunkte sein, um Fragen danach aufzuwerfen, inwieweit auchdie deutsche Gesellschaft noch immer kolonial geprägt ist, welche Rolle Rassismus als Nachwirkungkolonialer Prägung einnimmt und um Kritik und welche Intervention und Kritik für den Umgang mit derVergangenheit notwendig sind. Das Projekt wird durch das Projekt weltwechsel Niedersachsen unterstützt.

Wir treffen uns um 16.45 Uhr auf Zoom, damit eventuelle Technikprobleme beseitigt werden können.

Pünktlich um 17 Uhr starten wir mit der Vorstellung des Postkolonialen Stadtrundgangs in Braunschweig.

Der Link für die Veranstaltung via Zoom wird mit der Anmeldebestätigung verschickt.

Anmeldungen bitte direkt an unsere Emailadresse Amo-Kollektiv@posteo.de.

Unsere Reaktion auf den Artikel „Satire“ vom 02.Oktober 2020 in der Braunschweiger Zeitung.

Braunschweig, 30. Oktober 2020

Mit Schrecken lasen wir den Artikel „Vorsicht Satire“ vom 2.10.2020 in der Braunschweiger Zeitung.

Er ist geschmacklos, beleidigend, rassistisch und sexistisch. Inhaltlich beschäftigt sich diese sogenannte Satire mit einem Gespräch zwischen D.Trump und J. Biden nach der ersten TV-Debatte.Wir fragen uns warum sich die Autor:innen dazu entschieden, diese Gemeinheiten niederzuschreiben, wieso hat niemand Einspruch gegen die Veröffentlichung erhoben?Uns ist bewusst, dass der Artikel als Satire gekennzeichnet ist, was dort geschrieben wurde, ist lustig gemeint.

Doch über wen soll sich lustig gemacht werden?Donald Trump und Joe Biden überbieten sich in dem Artikel mit rassistischen und sexistischen Bemerkungen, die immer schonungsloser werden, je mehr Whiskey sie trinken. Zunächst ist es für uns unverständlich, wieso ausgerechnet mit Donald Trump einem Menschen rassistische und sexistische „Witze“ in den Mund gelegt werden, der sich permanent rassistisch und sexistisch äußert. An diesem Beispiel kann gesehen werden:

Für manche Menschen ist Rassismus Realität. Und auch rassistische Witze sind echt, sie sind Realität – sie werden nicht dadurch lustig,dass vorher „Vorsicht Witz“ gesagt wird. Rassistische Witze sind nie lustig. Denn sie richten sich nie gegen den Menschen, der sie äußert, sondern gegen die Menschen, die von Rassismus betroffen sind.

Zudem sei hier noch mal bemerkt, dass die rassistischen Stereotype, derer sich in dem Artikel bedient wurde, wirklich außergewöhnlich widerlich waren und nirgendwo (und ganz besonders in keiner Tageszeitung) zu lesen sein sollten.Was von dem*der Autor:in intendiert wurde, können wir nicht sagen. Was wir wissen, ist gegen wen sich die Witze richteten, nämlich gegen Menschen, die von Rassismus betroffen sind.

Wir haben mittlerweile vom Chefredakteur der Braunschweiger Zeitung, Armin Maus, eine persönliche Stellungnahme auf unsere Beschwerde geschickt bekommen. Das reicht uns nicht.

Wir fordern eine öffentliche Stellungnahme und eine öffentliche Entschuldigung. Bitte sorgen Sie dafür, dass so etwas nicht noch mal in Ihrer Zeitung zu lesen ist.

Zu Gast in der Niedersächsischen Landsvertretung in Berlin

04. September 2020

Am 03. Sept. 2020 waren wir in der Landesvertretung Niedersachsens in Berlin zu Gast und haben unter dem Thema „Neue Sichtbarkeiten“ exemplarisch, die Geschichte Anton Wilhelm Amos diskutiert. Moderiert von Sharon Dodoua Otoo waren außerdem mit dabei: Gäste vom Kunstverein Braunschweig, der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel und Tahir Della.

Die Veranstaltung ist noch online an kann hier angeguckt werden.

Fotos: K.Freimann/LV NI, 2020

Position zu Rassismus bei der deutschen Polizei

Braunschweig, 25. Juni 2020

In den letzten Wochen haben sich auch in Braunschweig verschiedene Stimmen in der Debatte um Polizeigewalt und Rassismus auf die Seite der deutschen Polizei gestellt.
Denn sowohl Dr. Christos Pantazis (Vorsitzender der SPD Braunschweig), als auch Armin Maus (Chefredakteur der Braunschweiger Zeitung) sowie der Vorstandsvorsitzende der AWO-Braunschweig Rifat Fersahoglu-Weber verneinen einen strukturellen Rassismus innerhalb der deutschen Polizeibehörden. Dabei widersprechen sie der Aussage der SPD-Bundesvorsitzenden Saskia Eskens, die in den vergangen Wochen öffentlich über einen latenten Rassismus in der Polizei sprach.
Diesen Aussagen widersprechen wir vehement und halten sie schlicht für falsch.
Studien berichten seit Jahren von rassistischen Einstellungsmustern in der deutschen Gesellschaft und zwar nicht nur am sogenannten „Rechten Rand“ sondern in der angeblich demokratischen Mitte. Wenn jetzt langsam auch die bürgerlichen Milieus zu dem Schluss kommen, dass es etwas wie struktureller Rassismus in Deutschland gebe, wieso sollte dieser dann bei der Polizei nicht vorkommen?
Im Allgemeinen ist man in Deutschland immer noch der Auffassung, dass das Thema Rassismus mit dem Ende des Nationalsozialismus gleich mit abgeschafft wurde und jeglicher Vorwurf des Rassismus, meist ohne sich mit diesem ernsthaft zu beschäftigen, Vehemenz abgewehrt werden müsse. Dabei wäre es so wichtig diesen Vorwürfen nachzugehen und sich ihnen zu stellen, da nur so über Rassismus
gelernt und sich damit auseinandergesetzt werden kann.
Warum kommen, wenn es um Rassismus und Polizei geht, nicht die Menschen zu Wort, die sich mit Rassismus auskennen? Warum kommen nicht die Menschen zu Wort, die durch ihre gesellschaftliche Positionierung von rassistischen Handlungspraktiken der Polizei (z.B. Racial Profiling, Polizeigewalt, Generalverdächtigungen sowie Opfer-Täterumkehr) betroffen sind?
Um dem strukturellen Rassismus zu begegnen, setzen sich Menschen sowie Institutionen kritisch mit (eigenem) Rassismus auseinander. Die Polizei meint hingegen, dass es kein Rassismusproblem gebe – das reicht den oben genannten als Argument und das ist skandalös. Warum wird Rassismus bei der Polizei nur als „US-Amerikanisches Problem“ abgetan?
Warum gibt es – und das ist Stand der Forschung – strukturell und institutionell verankerten Rassismus in Deutschland und damit in der Gesamtgesellschaft; nur nicht bei der Polizei? In allen Zurückweisungen von Esken fehlen Argumente.
Besonders bei der Polizei als Inhaberin des Gewaltmonopols muss genaustens hingeschaut werden! Besonders von der Polizei erwarten wir eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Rassismus!
Besonders jetzt ist die Gelegenheit dazu da, sich mit Rassismus in der Polizei auseinanderzusetzen und ein Zeichen zu setzen! Denn Rassismus ist nicht nur theoretisches Konstrukt. Rassismus und rassistische Denkmuster oder Verhaltensweisen in der Polizei sind für betroffene Menschen Realität!
Aber genau diese Perspektiven werden seit Jahren ignoriert , bzw. sogar kriminalisiert.
Doch nicht nur die eben erläuterten Umstände sprechen eine eindeutige Sprache, auch folgende Fakten:

  1. In Deutschland häufen sich die Fälle von Rechtsextremismus in der Polizei. Es ist so weit, dass viele Stimmen, Medien, Politikerinnen, sogar Polizistinnen äußern, dass dies zu viele Einzelfälle wären, als dass noch von Einzelfällen gesprochen werden kann. Kritischen Polizistinnen und kritischen Berufsgruppen wird es hingegen schwer gemacht, sie werden als Nestbeschmutzerinnen bezeichnet, diskreditiert und derer Gelder entzogen. Anzuführen ist dabei Rainer Wendt – Seit 2007 Vorsitzender der zweitgrößten Polizeigewerkschaft. Dieser war
    bis 1992 Mitglied bei der vom Verfassungsschutz beobachteten Partei „Die Republikaner“. Ersetzte sich u.a. für die Errichtung eines 800 km langen Grenzzauns an der Deutschen Grenze ein. In seinem 2016 erschienenem Buch „Deutschland in Gefahr“ bedient er sich rassistischer
    Denkweisen.
  2. Die Polizei ist wenig kooperativ, wenn es um Aufklärung rassistischer oder rechtsextremer Fälle geht. Sie lässt keine Forschung zu, um erhobene Vorfälle widerlegen zu können und bleibt von offizieller Seite dabei, Taten als Einzelfälle zu bezeichnen. Des Weiteren sagen Polizist*innen selten gegeneinander aus. Das lässt sich durch den Korpsgeist erklären, der zu einem „Die“
    gegen „Uns“ Gefühl und Verhalten beiträgt.
  3. Auch die Liste der rassistisch motivierten Gewalttaten der Polizei ist lang. Bei den meisten Fällen gibt es keine Untersuchung oder gar keine Ermittlungen. Um rassistisch motivierte Gewalttaten der Polizei zu thematisieren und ein Ermittlungsverfahren zu initiieren, sind fast ausschließlich zivilgesellschaftliche Initiativen gefragt. Das zeigen die Fälle, wie die Ermittlungen zur Aufklärung der NSU Verbrechen, der Amoklauf in München 2016, welcher erst 2019 von
    der Polizei als rassistisch eingestuft wurde, obwohl schon vorher von Expertinnengremium so geschehen oder der immer noch ungeklärte Tod von Oury Jalloh 2005 im Polizeigewahrsam in Dessau um nur einige zu nennen. Betroffene haben Angst und fühlen sich eingeschüchtert. An wen soll man sich wenden, wenn die Polizei die Täterin ist? Es gibt verschiedene Ideen zur Vermeidung rassistischer Momente in der Polizei, wie z.B. das Einrichten unabhängiger Beschwerdestellen. Die Polizeigewerkschaften liefen schon vor der Debatte hauptsächlich mit dem Argument dagegen Sturm, dass hierdurch alle Polizistinnen in Generalverdacht gestellt
    würden.
    Zusammengefasst stößt das Benennen von Rassismus und Polizeigewalt auf Gegenwehr – eine Verkettung beider Repressionsformen gilt als Unsagbarkeit.
    Wir wollen das nicht hinnehmen! Wir wollen das ändern!
    Wir als Amo – Braunschweig Postkolonial fordern daher:
    – Unabhängige Beschwerde – und Beratungsstellen für anonymisierte Betroffene von rassistischer (Polizei)gewalt, um einen Anlaufpunkt für Betroffene zu gewährleisten sowie der Dunkelziffer entgegen zu kommen mit dem Ziel valide Statistiken zu erheben.
    – Unabhängige Untersuchungsausschüsse bei Verdachtsfällen von rassistischer Polizeigewalt bei der Polizei
    – Eine kritische Auseinandersetzung mit den tendenziösen Öffentlichkeitskampagnen von Rainer Wendt und den Polizeigewerkschaften.
    – Eine stärkere Auseinandersetzung mit Rassismus in der Polizeiausbildung eine strukturelle Einbettung von Lehreinheiten zum Thema Rassismus in der Polizeiausbildung
    – Reflexionsräume durch z.B. Supervisionen bei der Polizei

Amo – Braunschweig Postkolonial